Periotrap GmbH

Ausverkauft vor Finanzierung: Geld für PerioTrap

Das Fraunhofer-Spin-off PerioTrap hat 2,9 Mio. Euro in einer Pre-Series-A eingesammelt. Nach starkem Medienecho – eine Mikrobiom-Zahnpasta war binnen zwölf Stunden ausverkauft – rückt nun die Weiterentwicklung des Parodontitis-Ansatzes in den Fokus.

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Ein Großteil der 2,9 Mio. Euro stammt aus dem Business-Angel-Netzwerk von Companisto, zusätzlich beteiligte sich die Venture-Capital-Gesellschaft bmp Ventures über die IBG-Fonds des Landes Sachsen-Anhalt mit einem Co-Investment von 1 Mio. Euro. Die Finanzierungsrunde bleibt bis Mai 2026 für weitere Tranchen geöffnet.

Schlagzeilen in BILD und Co.

Auslöser für das starke Investoreninteresse war nicht zuletzt eine ungewöhnliche Mischung aus wissenschaftlicher Entwicklung und öffentlicher Aufmerksamkeit. Nachdem eine Pressemitteilung zur zugrunde liegenden Technologie breite mediale Resonanz auslöste, war die vom Unternehmen entwickelte Mikrobiom-Zahnpasta innerhalb von zwölf Stunden ausverkauft. Der dadurch ausgelöste Nachfrageschub führte auch zu zahlreichen zusätzlichen Beteiligungsanfragen von Investoren. Companisto reagierte darauf mit einer kurzfristigen zusätzlichen Beteiligungsphase für sein Business-Angel-Netzwerk.

Hinter dem öffentlichen Interesse steht ein wissenschaftlicher Ansatz aus der Fraunhofer-Forschung. PerioTrap entwickelt Wirkstoffe gegen Parodontitis, die gezielt krankheitsverursachende Bakterien angreifen, ohne das übrige orale Mikrobiom zu zerstören. Im Zentrum steht dabei der Parodontitis-Erreger Porphyromonas gingivalis. Statt Bakterien pauschal abzutöten, soll der Wirkstoff gezielt deren krankmachende Mechanismen blockieren – ein Ansatz, der langfristig neue Strategien für Prävention und Therapie von Zahnfleischerkrankungen ermöglichen könnte.

Dominik Malter, Investment Manager bei Fraunhofer Venture, sieht in der aktuellen Finanzierung einen wichtigen Entwicklungsschritt: Der Weg vom Forschungslabor zum marktfähigen Produkt sei lang, doch mit einem starken Gründerteam und einem engagierten Investorenkreis habe das Unternehmen nun einen entscheidenden Meilenstein erreicht.

Auch die Investoren betonen neben den Marktperspektiven vor allem die technologische Basis. Laut Nicky Hughes, Investment Director bei Companisto, zeige die Finanzierungsrunde ein breites und nachhaltiges Interesse innerhalb des Netzwerks. Neben Kapital wolle man das Unternehmen auch mit Expertise und Kontakten unterstützen. PerioTrap ist als Unternehmen nun auf dem Weinberg-Campus in Halle (Saale) angesiedelt.

Vom Fremdkörper zum Feuerwerk

PerioTrap-CEO Pierre Tangermann (im Foto links) verweist auf die strategische Zusammensetzung der Investorenrunde: Die Kombination aus Venture-Capital-Investoren und einem aktiven Business-Angel-Netzwerk solle sowohl den Marktzugang als auch die Skalierung unterstützen. Tangermann hat damit nun einige fehlgeschlagene Versuche, Investoren zu überzeugen, abgehakt. In den vergangenen Jahren war er auf den großen Partneringveranstaltungen anzutreffen und regelmäßig ernüchtert bis enttäuscht, dass in dieser großen Pharmawelt offensichtlich niemand an die Zahngesundheit denke oder sich dafür begeistern lassen wolle. Vielleicht waren die dort anwesenden Business Developer aber einfach nicht die richtigen Ansprechpartner für ein B2C-Geschäft, das über Schlagzeilen zu leergeräumten Regalen führt.

Tangermann hat einen „regulatorischen Ritt auf der Rasierklinge“ hinter sich, wie er das einmal nannte. Denn eine Zahnpasta hat wie andere eher als kosmetische Produkte vermarktete Neuheiten (man denke nur an ein Unternehmen, das ein Haarwuchsmittel vertreibt) einen einfacheren Zulassungsweg als echte therapeutische Wirkstoffe. Die Behauptung einer therapeutischen Wirkung etwa in der Werbung muss daher vermieden werden, was auf der anderen Seite die Konkurrenz der Zahnpastahersteller auf den Plan rief, die ihrerseits nun Gegenmarketing machten und erklärten, dass in der Fraunhofer-Zahnpasta gar keine Neuerfindung stecke, sondern allgemein bekannte mikrobiologische Hemmstoffe.

In dieser Gemengelage tut zwar eine Welle an positiven Schlagzeilen gut, doch im Fußball würde man nun sagen: „Wichtig ist auf dem Platz.“ Genau das will Tangermann nun erreichen, sich einen festen Platz in den Regalen und beim Kunden erobern. Mit dem frischen Kapital plant das Unternehmen den Ausbau des Vertriebs auch international sowie die Weiterentwicklung seiner Produktpipeline. Langfristig zielt PerioTrap darauf ab, aus seinem selektiven Wirkstoffansatz eine neue Generation mikrobiomfreundlicher Prophylaxe- und Pflegeprodukte zu entwickeln – jenseits des kurzfristigen Medieninteresses, das den Start der Finanzierungsrunde begleitete.

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